Pseudo-Abmahnung von web-killer.de

  • Hallo liebe Blogger-Kollegen,



    Heute habe ich in den Briefkasten gesehen und einen Brief für mich gefunden. "Clickonmedia UG" stand darauf. Also habe ich den Brief aufgemacht und darin war eine Aufforderung zur Inhaltsentfernung.


    Darin steht zum Beispiel: (Originalauszüge)

    Sehr geehrte Damen und Herren,



    unser Auftraggeber [...] beauftragte unseren Servicedienst "web-killer.de", da dieser die Entfernung des unten stehenden Inhaltes anstrebt. Deshalb bitten wir Sie höflichst um Löschung/Entfernung des folglich genannten Online-Inhaltes:

    In dem betreffenden Artikel, welcher letztes Jahr auf meinem Blog erschien, habe ich von einer persönlichen Erfahrung mit einer Abofalle berichtet. Der Anbieter wurde namentlich genannt. Auch wenn immer wieder in dem Brief erwähnt wird, dass man mir und allen beteiligten "unnötigen Ärger" ersparen möchte und daher nicht direkt über den Rechtsanwalt gehe, wird doch direkter Druck ausgeübt. Nicht ohne Grund steht auf der rechten Seite des Briefes die "Kooperations- und Vertragskanzlei" von web-killer.de. Zum Abschluss heißt es in dem Brief dann noch, dass man diesen Brief doch bitte als Bitte zur Kenntnis nehmen solle und nicht als Forderung. Ferner solle ich web-killer.de meine Entscheidung per Mail mitteilen, was ich auch (unfreundlich) getan habe.


    Ehrlich gesagt finde ich den Brief ziemlich lustig und irgendwie schmeichelhaft, denn er zeigt, dass ich mit meinem Artikel offenbar einen wunden Punkt getroffen habe. Jeder Journalist würde sich über sowas freuen.


    Ich habe den Firmennamen in dem Artikel zu Teilen unkenntlich gemacht, auch wenn ich in der Nennung keinen Fehler sehe. Der Artikel bleibt natürlich weiterhin online.
    Ich würde gerne mal eure Meinung dazu hören- was haltet ihr von dieser Masche? Wie hättet ihr reagiert?


    Liebe Grüße,


    Henrik

  • Hallo Henrik,


    Ich hatte kürzlich etwas Ähnliches: Ich habe fünf Paid4-Anbieter getestet und dann fünf Erfahrungsberichte verfasst. Bei einem Anbieter gab es einen Geschäftsinhaberwechsel, ich hatte daher beide Inhaber genannt. Ich sehe es genau wie du es siehst, es m. E. wichtig, dass es ehrliche Erfahrungsberichte gibt. Da der ehemalige Inhaber mich jedoch persönlich und freundlich und in einer E-Mail um die Entfernung gebeten hat UND ich keinen Grund hatte, anzunehmen, dass sein jetziges Geschäft nicht rechtskonform geführt würde, habe ich die Angaben unkenntlich gemacht.


    Ich habe dem Herrn das auch aufwändig begründet.


    Von diesen Online Agenturen habe ich schon gehört. Aus meinem Bekanntenkreis ist mir bekannt, dass ein Arzt in einem Ärztebewertungsportal, in dem ja jeder Arzt bewertet werden und aus dem er seinen Namen bis zur Aufgabe der Tätigkeit nicht löschen kann, solche Agenturen beauftragt, um zahlreiche falsche und gute Bewertungen für sich verfassen zu lassen. Die machen das auch professionell: Verschiedene Geräte und IPs, Standorte und Namen. Die Agentur, die dich angeschrieben hat, bietet sogar ein Produkt "Online-PR / Verdrängung" an. Das ist genau das, was der Arzt machen lässt.


    Bei solchen "Herangehensweisen" sind solche ehrlichen Berichte wie unsere natürlich umso wichtiger, auch wenn wir als Einzelpersonen angreifbarer sind als große Onlineportale.


    "Jeder Journalist würde sich über sowas freuen."


    Laut dem BGH ist übrigens jeder Blogger ein Journalist, auch du :-) , da er u. a. in der Regel wertet. Damit wurde in einem Urteil mal bestimmt, dass ein Blog ein entsprechendes Impressum haben muss.

  • Wenigstens bin ich nicht der Einzige, den sowas trifft. Ich störe mich einfach stark daran, wie solche Firmen vorgehen. Es heißt immer wieder in dem Brief, man solle sich ja nicht angegriffen fühlen, doch auf den Anwalt wir immer wieder verweisen. Das ist schon arg dreist.


    Von dem Auftraggeber mal ganz zu schweigen...

  • Ich glaube, dass der Hintergrund von solchen Formulierungen "fühlen Sie sich nicht angegriffen" ist, dass bekannt ist, dass Wertungen - auch wenn sie dem Bewerteten nicht gefallen - u. a. durch die grundrechtlich verbürgte Meinungsfreiheit geschützt sind; Im Grunde kann da rechtlich nichts gemacht werden.


    Außerdem gibt es auch Anwälte, die u. a. wegen versuchter Nötigung verurteilt werden, da sie mit ihrer Autorität Sachen behaupten "z. B. die Forderung für den Mandanten ist rechtens", während sie es nicht ist, und dann gleichzeitig mit teuren Konsequenzen drohen. Ein juristischer Laie lässt sich nicht selten ganz natürlicherweise davon einschüchtern, zahlt vielleicht dann die Rechnung, die er eig. nicht bezahlen müsste, nur um die angedrohten Konsequenzen zu vermeiden.


    Man kann nicht pauschalieren und muss jeden Fall genau einzeln anschauen und bewerten.