Eltern-Themen, Familie, Kinder, Erziehung, Parenting

  • Hallo zusammen,



    es kirbbelt mir in den Fingern und ich möchte hier mal einen Post zum Thema "Eltern-sein" da lassen.

    TEIL 1 von 4 - War zu lang! :-)


    Meine beiden Jungs sind mittlerweile 16yo und 18yo. Und was wir mit denen schon erlebt haben passt mehr als in ein Leben. Ich kann natürlich nicht 18 Jahre mal schnell in einen Text packen, will ich auch gar nicht. Ich würde aber gerne einmal ein paar Erfahrungen erzählen und ALLEN Kritikern aus meinem/unserem Umfeld (die dieses hier nie lesen werden, weil die gar nicht wissen, das es so eine Seite gibt) sagen: WIR haben alles richtig gemacht!



    Geburt von unserem Ersten verlief ohne Probleme. Wunschkind, Schwangerschaft lief bei meiner Frau problemlos ebenso die Geburt, wir waren überglücklich... Bis wir mit ihm alleine Zuhause waren! :-)


    Ein absolutes Schreikind. Wir haben alles, aber auch wirklich alles probiert um ihn ruhig zu bekommen. Entweder hat er geschlafen oder geschrien, es gab kaum Momente dazwischen. Nach drei Monaten war von einem auf den anderen Tag Schluss. Wir wissen bis heute nicht, was die Veränderung ausgelöst hat. Zu dem Zeitpunkt haben wir ihn schon immer mit in unser Bett genommen.


    Oh wie uns alle bemitleidet haben... aber jetzt, wo er doch ruhig ist, müsse man doch an einer Abnabelung arbeiten. Kinder müssen alleine schlafen, brauchen ein eigenes Bett, etc.


    Wir haben den Absprung irgendwie nie richtig geschafft. Als er zwei Jahre alt war haben wir ich behutsam dazu gebracht zu mindestens in seinem Bett einzuschlafen. Nachts hörte ich immer nur die Türklinke unseres Schlafzimmers, ich habe die Bettdecke hoch geklappt, er ist zu mir ins Bett gekrabbelt, wir haben uns aneinander gekuschelt und haben geschlafen bis morgens in der früh.. Nie haben wir uns näher und glücklicher gefühlt als zu der Zeit. Ich habe die negativen Stimmen im Umfeld nie verstanden... was soll so schlimm daran sein, dass er bei uns schläft? Wie kann etwas falsch sein, wenn es sich doch so richtig und schön anfühlt?



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  • TEIL 2 von 4

    Unser "kleiner" kam dann nach zwei Jahren. Als meine Frau Abends die Wehen bekam und weil meine Eltern nur 2km von uns entfernt wohnen, habe ich sie direkt angerufen: "Mama, ihr musst kommen und auf den großen aufpassen, die Wehen setzen ein an!"


    Meine Frau lief schon eine Weile schnaubend wie eine Dampflock durch Haus und der Abstand zwischen den Wehen wurde immer kleiner. Währenddessen warteten ich mit dem Großen vergeblich auf die Großeltern. Habe meine Eltern dann wieder angerufen: "Wo bleibt ihr? Es wird Zeit!". Antwort meiner Mutter: "Wir trinken gerade noch ne Tasse Tee, wir kommen gleich!" Mhmm... ich dann so in aller Ruhe: "WHAA??? IHR KOMMT JETZT! SOFORT! WIR HABEN KEINE ZEIT MEHR! WIR MÜSSEN JETZT ZUM KRANKENHAUS!". Keine Minute Später waren beide da.. etwas verlegen, aber sie haben beim ersten Anruf einfach gedacht: Der übertreibt mal wieder!


    Ich meine Frau ins Auto gepackt und mit Warnblinklicht und unter Nichteinhaltung sämtlicher Verkehrsregeln zum Krankenhaus. Dort angekommen meinte meine Frau: "Ohh... ist schon wieder alles gut.. hab keine Wehen mehr.. eigentlich können wir wieder nach Hause fahren," Ich guck sie an und sage nur, wieder gaaaanz ruhig: WHAA? Hast du sie noch alle? Raus aus dem Auto und ab in den Kreisssaal mit dir!" Ich glaub sie hatte sich ein bisschen erschrocken denn erstaunlicherweise hat sie diesmal NICHT mit mir diskutiert und einfach mal gemacht was ich gesagt habe... :-)


    Also, wir beide ab zum Kreisssaal. Als wir vorm Fahrstuhl standen sagte ich zu meiner Frau: Hier vorm Fahrstuhl hat die Frau meines Arbeitskollegen ihr Kind bekommen... die waren eine Minute zu spät... (Kein Witz, war wirklich so! Direkt vorm Fahrstuhl mitten im Flur...) Wir nehmen den Fahrstuhl und gehen zur Gynäkologie.. wir werden schone erwartet. Wir werden zum letzten von drei Kreisssälen geführt. Die ersten Beiden sind schon mit schreienden gebärenden Frauen belegt. Meine Frau macht es sich auf der Liege bequem: "Mir geht’s total gut... hab im Moment auch gar keine Wehen mehr." Die Schwester will noch irgendwas messen oder so und meinte: Könnten sie sich eben auf die Seite legen?" Meine Frau hatte gerade eine 45° Drehung vollführt, da schrie sie auf einmal "OH GOOOTT!!! ES KOMMT... ES KOOOOMMT! AHHHHHHHHH!" FLLLLUPPP! Der zweiter Sohn war da. Anschließend kam die Hebamme. Ich hatte erst vor Sekunden die Tasche abgestellt, da wurden wir auch schon wieder, vorbei an den gleichen beiden schreienden gebärenden Müttern, auf ihr Zimmer gebracht.


    Unser zweiter Sohn war also auch da. Er war anders. Kein Schreikind. Hat nie gequengelt wenn er ins Bett sollte... eine ganz neue Erfahrung für uns... das schien, zu mindestens für uns, nicht normal zu sein.... es hat nicht sehr lange gedauert, da haben wir zu viert in unserem Bett gelegen. Meiner Frau war es teilweise zu eng und ist ins Gästezimmer gezogen, gerade auch weil unser Jüngster sich nachts wie ein Propeller im Bett gedreht hat. Mir hat es nie was ausgemacht. Vielleicht auch, weil ich immer mit meiner Frau schwanger war, ich aber nie gebären konnte... soll heißen, ich brachte genügend Masse mit, sodass es mit nie was aus machte. Wenn ich schlief dann schlief ich. Auch habe ich mich nie verbogen, damit die kinder besser schlafen konnten. Ich habe gemerkt, je mehr platz ich ihnen lies, desto näher rückten sie mir nach.


    Natürlich war nicht alles Supie. Ich bin oft von der Arbeit nach Hause gekommen, hab gegessen, bin dann mit den Kindern hoch und nicht wieder aufgestanden weil ich eingeschlafen bin. Auch den Falls: "Mama, mir ist langweilig, Papa ist eingeschlafen" hat es gegeben. Oder: "Mama, ich kann nicht einschlafen, Papa schnarcht!". Aber wir haben es alle überstanden. Und wenn die Kinder gewollt hätten, deren Zimmer stand ihnen ja zur Verfügung...


    Und wieder das Umfeld: Jetzt schlaft ihr mit beiden Kindern im Bett? Das könnte ich ja nicht. Ich habe die Kinder immer so lange schreiben lassen bis sie ruhig waren. Das müssen die Lernen. Ist wichtig für ihre Entwicklung. Die werden ja nie selbstständig.........."


    Ich habe es so sehr genossen die beiden ins Bett zu machen. OK, nicht 100% aller Abende, aber den Großteil. Sind ja schließlich keine Robot. Vor allem das Vorlesen. Ich habe zu beginn so grottenschlecht gelesen. Ich habe mich, trotz das meine Kinder beiden noch keine 5 Jahre alt waren so sehr geschämt.... aber über die Zeit wurde es immer besser. Je älter sie wurden, je mehr Bücher wir kauften (und es sind ungelogen sicherlich an die 100 Kinderbücher die wir hatten), je mehr ich gelesen hatte, umso besser wurde es. Teilweise konnte man die Bücher ja auch schon auswendig. Vor allem hat es mich an den Kindern so fasziniert wie schnell sie einen text verinnerlichen konnten. Wir hatten ein Buch mit dem Titel "Pernix, die Abenteuer eines kleinen Sauriers" das konnte unser Großer nach einigen Malen vorlesen komplett auswendig. Wort für Wort... Er konnte noch nicht lesen, aber er wusste ungelogen jedes einzelne Wort auf jeder Seite... Und wehe ich habe ein Wort mal ausgelassen, oder einen Satz umformuliert... Er hat jeden Fehler bemerkt.




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  • TEIL 3 von 4

    Unsere Strolche wurden älter, kamen in die Schule, die Übernachtungspartys im elterlichen Bett wurden langsam weniger. Die Abnabelung hat mir mehr weh getan als den Kindern, dass kann ich euch versprechen. Der große war ein Überflieger in der Grundschule. Nur Bestnoten und bekam natürlich eine Gymnasialempfehlung. Danach begannen die schlimmsten 5 Jahre unseres Lebens.


    5 Klasse Gymnasium. Aus unserem Überflieger wurde "ein Kind unter vielen". Hinzu kam, dass er in der ersten Arbeit direkt eine 6 geschrieben hat. Eine Erfahrung die man im Leben sicherlich mal gemacht haben muss, er sich aber extrem schwer damit getan hat. Er wurde unsicher... und verwundbar anderen gegenüber. Einige Vollpfostenkinder (die in ihrer Kindheit wahrscheinlich zu wenig Liebe abbekommen haben), fingen an unser Kind zu mobben. Dies ging ca. ein halbes Jahr gut dann hatten wir einen Schulverweigerer Zuhause.


    Abends noch eine Geschichte vorlesen, und noch eine, und noch eine... Hauptsache nicht einschlafen müssen. Morgens hat der Junge zitternd mit Heulkrämpfen im Bett gelegen. (Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr!) Packt man so ein Kind unter den Arm und zerrt ihn zur Schule, wie es die Pädagogen, Therapeuten und Psychologen uns geraten haben? Wir haben es nicht gekonnt. Es gibt nichts schlimmeres auf der Welt als sein eigenes Kind leiden zu sehen. Oft habe ich Urlaub genommen... habe mich zu ihm ins Bett gelegt und ihn einfach nur gehalten bis er sich beruhigt hatte. Ich spüre noch immer seine Arme um mich... wie er mich gedrückt hat... höre seine Stimme in meinem Ohr "Es tut mir so leid, Papa!" Es war einen schlimme Zeit.


    Auch hier mussten wir uns großes Tamm-Tamm mit den Lehrern und Kinderpsychologen anhören. Wir müssen uns durchsetzen. Wir sind schließlich die Eltern und haben es zu sagen. Ein Kind ist nun mal nur ein Kind und hat auf das zu hören was die Eltern ihm sagen! Mittlerweile waren die Jahres-Abschlusszeugnisse fällig und wie erwartet fiel dies nicht gut aus, Wir haben mit unserem Sohn zusammen beschlossen, dass er die Schule wechselt. Runter vom Gymnasium und (wir hätten früher Realschule gesagt, gibt’s heute ja nicht mehr) zurück auf seine alte Schule. Der Anfang war für ihn natürlich nicht leicht. Für ihn war es wie eine Niederlage... er hat sich "dumm" gefühlt weil er das Gymnasium nicht geschafft hat. Auch die Fehltage waren nicht komplett weg auf der neuen Schule. Innerhalb eines Jahres wurde es besser, aber wir hatten einige Besuche beim Klassenlehrer und Direktor hinter uns, weil er nicht gerade regelmäßig am Unterricht teil nahm, um es vorsichtig auszudrücken. Er war quasi nur die hälfte der Zeit da,schrieb aber trotzdem so gut wie jede Arbeit mit und das mit Bestnoten. Vielleicht auch etwas was die Lehrer gestört hat, denn so hatten sie keinen Grund um ihn los zu werden. Es wurde aber besser. Von Monat zu Monat kam unser alter Junge zurück. (Mittlerweile geht er aufs berufliche Gymnasium, hat nen Notendurchschnitt von 2 und will, ihr kommt nie drauf, Lehrer werden...).


    Es gibt eine Schlüsselerlebnis, welches uns allen, meiner Frau und mir und unseren beiden Kindern, einschneidend in Erinnerung geblieben ist. Nach Absprache mit der KJP (Kinder & Jugend Psychiatrie) bei uns im Nachbarort sollte unser Großer stationär aufgenommen werden. An dem Abend, als wir ihn brachten war Anfangs noch alles gut. Er bekam sein Zimmer, lerne seinen Zimmergenossen kennen, bekam die Station gezeigt... alles schien gut. Bis zu dem Zeitpunkt wo wir drei uns von ihm verabschiedeten. zuerst war es nur eine Zaghafte Umarmung mit der Bitte ihn nicht da zu lassen. Dann fing er an zu weinen und wir alle standen wie ein Häufchen Elend im Flur und wussten nicht, was zu tun war... Sollten wir auf unser Herz hören? Oder auf das, was die "Fachleute" sagen und ihn einfach da lassen... es würde schon gut werden. Außerdem, man würde ja nachts die Station abschließen, er könne ja nirgends hin... Es wurde später und später, alles zureden auf unseren Sohn half nicht. Der "Arzt" kam dann mit ein paar Pillen und brachte ihn dazu, sie zu nehmen. Innerhalb von ein paar Minuten war unser Sohn ruhig und war wie im Vollrausch. Er konnte die Augen kaum offen halten und brachte keinen vernünftigen Satz mehr raus. Der Arzt schob uns durch die Stationstür, sagte es werde alles gut, und schloss die Tür wieder hinter uns ab... Ich höre noch heute seinen Schlüsselbund klimpern...


    Wir sind ohne ein Wort zu sagen nach hause gefahren. Als meine Frau und ich mit einem Becher Kaffee in der Küche saßen wussten wir beide: Das war das erste und letzte Mal das wir unser Kind da abgegeben haben! Am nächsten Morgen sind wir hingefahren, haben ihn wieder geholt und haben nie wieder einen Fuß in deren Tür gesetzt!



    Einschneidend war dieses Erlebnis in zweierlei Hinsicht:


    Zum Einen: Unser Großer war fast wie ausgewechselt. Seine Fehltage wurden "über Nacht" weniger und er bemühte sich aus Eigenantrieb, dass es besser wurde. Er sagte uns mal, an diesem Abend hätte es bei ihm Klick gemacht und er hat gewusst, so geht es nicht weiter.


    Zum Anderen: Was macht es mit einem Kind, wenn er sieht wie sein großer Bruder leidet? Wie er fast sediert wird um eingesperrt zu werden. Wenn er mit anhören muss, wie sein Bruder um Hilfe fleht, fleht nicht alleine gelassen zu werden. Unser Kurzer ist an dem Abend ohne viel Worte ins Bett gegangen und nicht als der selber wieder aufgewacht. Nun war es bei ihm so, dass die Fehltage immer mehr wurden. Es war fast so, als hätten sich bei ihm ein Korken gelöst, und alle aufgestauten Emotionen die sich in den zuvor gehenden 1,5-2 Jahren angesammelt haben, würden aus ihm heraus fließen. Die selben Symptome wie bei unserem Großen: Panikattacken wenn er morgens wusste er muss zur Schule. Wir haben in ums Haus gejagt und wollten ihn wieder einfangen um ihn persönlich zur Schule zu bringen... Und wenn wir ihn hin gebracht haben, hat er 5min. gewartet und ist wieder nach Hause gelaufen.


    Nun hatten wir mit ihm also die selben Probleme wie mit unserem Großen zuvor. Ende der vierten Klasse fing es schon an und wurde immer schlimmer. In der 5. Klasse hatte er um die 110 Fehltage... Lehrer, Direktor, Schulpsychologin kannten uns ja schon von unserem Großen... die haben uns ja schon nicht mehr ernst genommen (Versagereltern die ihren "elterlichen Job" nicht im Griff haben und denen die Kinder aus den Händen gleiten". Wir mussten wieder einen Psychologen einschalten (hat die Schule verlangt. Den Kindern mangele es an Disziplin und elterliche Strenge!) und der hat (neben: Reißen sie sich mal zusammen und sagen sie dem jungen wo es lang geht!) uns geraten (als letzten Verzweiflungsakt) wir sollten ihn in eine Tagesklinik geben.


    Auch wenn die ersten paar Tage für ihn schwer war, und dort wirklich, ich muss es so sagen, Hilfs-Psychologen und Pädagogen arbeiten, war nach einer Woche die Tagesklinik sein neuer fester Tagesablauf. Wenn wir ihn nicht fahren konnten, wurde von einem Taxi abgeholt, was tadellos funktionierte. Unser Sohn musste einige (lockere) Tests in der Tagesklinik machen, die seine Kognitiven Leistung bestimmen sollten. Ergebnis war: Lese/Rechtschreibschwäche. Mathe würde er relativ gut machen, aber auch hier gäbe es Bedarf an Nachhilfe...


    Auch wenn in der Tagesklinik wirklich nicht alles vorbildlich lief, es hat eine Sache gegeben, die ihm beispiellos geholfen hat: Es gab einmal in der Woche Freitags als Abschluss der Woche einen Stuhlkreis in der jedes Kind einem anderen Kind sagen darf, was ihm zu Demjenigen einfällt. Es gab nur eine Regen: Es dürfen nur positive Eigenschaften hervorgehoben werden, Negative Kritik war nicht erlaubt. Das hat unserem kurzen sooo viel Selbstvertrauen zurück gegeben. Kein Kind war gezwungen etwas zu unserem Sohn oder jemand anderem zu sagen. Wer wem was sagte, war freiwillig... Und das es nun Leute gab, die positiv von ihm denken und Eigenschaften und Fähigkeiten von ausgerechnet ihm bemerken, hat ihm so sehr geschmeichelt das er nach und nach immer mehr aufgetaut ist.


    Unser Kurzer war knapp 3 Monate da. Und Aufgrund der 110 Fehltage in der 5. Klasse wurde er nicht versetzt. Wir haben damit gerechnet nur unser Sohn nicht. Er hat gehofft, alles wird wieder gut. Als wir unserem Sohn das dann aber sagten, war wieder ein Abend heulen angesagt. Ist ja auch verständlich. Gerade wo man wieder anfängt an sich selber zu glauben, wird einem gesagt, dass man sitzen bleibt. Neue Klasse, neue Lehrer, neue Schüler.. Am nächsten Tag hatte er sich aber dem Schicksal ergeben. Seine (alte) Klassenlehrerin (ein kleiner Feldwebel, wie Frau Rottenmeier bei Heidi...) war froh, das sie unseren missratenen Jungen samt Eltern los war, und unser Sohn freute sich, dass er seinen Lieblingslehrer als neuen Klassenlehrer bekam. Quasi win-win Situation.


    Junior wurde noch vor den Sommerferien in die neue Klasse versetzt, und sein neuer Klassenlehrer hat es geschafft seine Klasse so darauf vorzubereiten das jemand neues in die Klasse kommt, dass sie unseren Sohn mit offenen Armen empfangen haben... als hätten sie schon ewig auf ihn gewartet. Im ersten Halbjahr steigerte sich unser Sohn schulisch so sehr, dass wir jegliche Hilfe bei den Hausaufgaben einstellten. Mittlerweile besucht er die 8. Klasse, hat einen Notendurchschnitt von 1,9 und ist einer der drei besten Schüler in seiner Klasse. Auf seinem aktuellen Zeugnis hat er mehr Einsen als Dreien. Seine schlechteste Mathearbeiten in diesem Schuljahr ist eine 1. In allen anderen Mathetests hat er eine 1+ bekommen. In deutsch hat er ne 1 auf dem Zeugnis. So viel zu dem Thema: "Lese und Rechtschreibschwäche und Probleme beim Rechnen.


    Mittlerweile hat er seit 2 Jahren eine neue Klassenlehrerin. Sie sagt, sie würde ihn immer zwischen die Lernschwachen Kinder setzen, weil er denen mit einer solchen Ruhe und Hingabe hilft, es wäre ein Freude ihm dabei zuzusehen.




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  • TEIL 4 von 4


    Eigentlich möchte ich nur eine Message los werden, an alle frischen oder werdenden Eltern:




    Hört auf euren Bauch und euer Herz!



    Niemand wird als Eltern geboren. Für alles bekommt man einen Führerschein oder eine Schulung, aber niemand bereitet einen auf das Eltern-Sein vor. Egal welche Entscheidung es zu fällen gilt: NIEMAND von Außen hat das Recht eure Meinung in Frage zu stellen.



    NIE wieder würde ich meinen Sohn von einem Hilfs-Arzt unter Drogen setzen lassen!


    NIE würde ich mein Kind zu irgendetwas zwingen, wenn ich das Gefühl habe es geht ihm nicht gut!


    NIE würde ich meinem Kind eine Schulter zum Ausheulen verweigern, nur weil jemand anders sagt, man müsse hart bleiben!



    IMMER würde ich meinen Kindern eine helfende Hand reichen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie sie benötigen!


    IMMER würde ich mich schützend vor meine Kinder stellen, egal wer gerade Kritik übt!


    IMMER haben es Kinder verdient, dass man an sie glaubt!



    NIEMAND hat das Recht, über deine eigenen Kinder zu urteilen!


    NIEMAND kennt sie so gut wie du selbst und weiß was in ihnen vorgeht!


    NIEMAND liebt deine Kinder so sehr, wie du selber!





    Rückblickend kann ich sagen. jeder Streit, jedes Schimpfen und Zetern, jedes Lachen und auch jede Träne die vergossen wurde war es wert. Heute sage ich stolz: Wir haben die besten Kinder auf der Welt. Ich weiß, das sagt jeder von seiner eigenen Brut! :-)


    Aber unsere beiden sind totale Schmusekater und haben ihr Herz am rechten Fleck. Kaum ein tag vergeht, ohne das wir uns nicht mindestens einmal herzlich umarmt haben. Unsere beiden haben total feine Antennen und merken sofort wenn es jemanden in ihrem Umfeld nicht gut geht.



    Eine Kritik bleibt noch, die uns aktuell immer wieder begegnet:


    Was? Eure Kinder sind den ganzen Tag im Haus und sitzen am PC? Das kann doch nicht gut sein. Also unsere Kinder haben nicht mal einen eigenen PC! Das wäre ja noch schöner wenn sie im Internet wären, und wir nicht wissen was sie da so treiben: Außerdem sind im Internet nur Pädophile!




    Ich kann nur so viel sagen:


    Unsere beiden haben Freunde in den USA, Schweden. Australien. den Niederlanden und England (das ist kein Witz!). Sie sprechen beide ein so lupenreines Englisch, da werde ich blass. Unsere Kinder kennen sich mit Word, Excel, PowerPoint und Outlook aus. Unsere Kinder sind diejenigen, die euren Kindern bei den Präsentationsprojekten aus der Patsche helfen. Unsere Kinder sind diejenigen, die euren Kindern später zeigen, wie man eine Email schreibt, erklärt was ein USB-Stick ist, wie man eine CD/DVD brennt, oder erklärt, das Wikipedia keine ansteckende Krankheit ist. Es sind unsere Kinder, die euren etwas von Integration und Weltoffenheit beibringen müssen weil eure nie anderen Kulturen kennen gelernt haben. Unsere Kinder mögen nicht mehr auf Bäume klettern, sie können aber jederzeit nachschlagen um welchen Baum es sich handelt. Unsere Kinder können vielleicht kein Feuer machen wenn sie sich im Wald verlaufen, sie wissen aber welche App man braucht, um aus dem Wald heraus zu finden. Sie mögen nicht mehr viel mit den Nachbarskindern abhängen, sie lungern aber auch nicht auf Schulhöfen und randalieren rum. Unsere Kinder kommunizieren jeden Tag mit der ganzen Welt, während sich eure tagtäglich in der gleichen Weltanschauung bewegen.



    Vielleicht kommen unsere Kinder nicht mehr so häufig vor die Tür wie wir früher, dennoch lernen sie täglich dazu und ihr Horizont ist heute schon weiter, als der unsere jemals werden kann!



    Jungs, ich bin stolz auf euch! Bleibt wie ihr seid!


    Das lag mir auf dem Herzen! Danke fürs Lesen!


    Frank

  • Moin,


    in einer Facebookgruppe wurde gefragt, was man seinem Vor-Expat-Ich aus heutiger Sicht sagen würde. Ich hätte mir mehr Mut gemacht. Später habe ich meinen Söhnen die Frage gestellt und einer sagte:


    Befreunde dich mit niemanden. Alle gehen.


    Schrecksekunde.

    Dann lachte er. Immer nur Unfug im Kopf. Und ich weiß ja, dass er Freunde hat und spüre, dass es ihm gut geht.

    Allerdings hat der Spruch für uns leider einen wahren Kern.


    https://ombidombi.de/novembergedanken/